„Ottoversand Hamburg!“ So hallte es in den vergangenen Jahrzehnten durch bundesdeutsche Wohnzimmer. Ein ähnlicher Werbeslogan hallt jetzt zunehmend online durch die konsumfreudige Internet-Community, in Russland – auf Russisch wohlgemerkt.
Die hanseatische Erfolgsgeschichte wird weiter geschrieben. Aus dem einstigen Katalogversender Otto ist die Otto Group geworden – und mit ihr auch ein breiteres Geschäftsfeld. In den Nachkriegsjahren 1949 gegründet, ist Otto heute auf drei Kontinenten mit über 50.000 Mitarbeitern aktiv.
Otto. Stark im Onlinegeschäft
Hauptausrichtung bleibt weiterhin das Onlinegeschäft und die Internationalisierung. Im Onlinebereich lagen die Wachstumsraten in der Vergangenheit bei 7,5 Prozent und 5,7 Milliarden Euro Umsatz. Bis zum Jahre 2015 rechnet man mit einem Umsatz von rund 8 Milliarden Euro – nur im Onlinebereich! Demzufolge sagt der Konzernchef Hans-Otto Schrader erfolgreiche Zeiten voraus.
„Otto geht es nicht darum, nur Marktanteile und Wachstumsraten zu erzielen, um dann das Unternehmen an die Börse zu bringen. Wir denken wie eine Familie aus einer Generation, als Otto noch ein erfolgreiches Versandhandelsunternehmen war.“
Dementsprechend liegen die Investitionssummen auf rekordverdächtigem Niveau. Für den Bereich Onlinehandel werden bis 2015 rund 300 Millionen Euro investiert.
Wachstumsmarkt Russland
Russland gerät dabei immer mehr in den Fokus des Unternehmens. Nirgendwo anders entsteht ein derartiger Wachstumsmarkt, wie in Russland. Die Bevölkerung hat dort einen enormen Nachholbedarf an Konsumgütern. Parallelen zur Situation nach dem deutsch-deutschen Mauerfall sind durchaus zu erkennen, wo ein riesiger neuer Absatzmarkt für Konsumgüter entstand.
Was den russischen Markt dabei ausmacht, ist zum einen die Bevölkerung und deren Konsumhunger, zum anderen aber auch die, gegenüber westlichen Märkten, geringere Kaufkraft und Preisbewusstsein. Russische Käufer, insbesondere weibliche Kunden, kaufen verstärkt Kleidung und Heimtextilien.
Otto hat sich darauf eingestellt und geht mit Waren aus dem Niedrigpreissegment mit Bonprix in den Markt, aber auch Otto, Quelle und Witt. Dabei werden die Warenströme mit einem eigens dafür errichteten Logistikzentrum bewältigt, das 160 Kilometer vor den Toren Moskaus liegt. Derzeit liegt der Gesamtumsatz sämtlicher Versandhandelsmarken bei ca. 550 Millionen Euro. Mittelfristig liegt die Umsatzerwartung bei 1 Milliarden Euro. 2013 schuf Otto sogar 700 neue Arbeitsplätze in Russland!
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Lagerhaltung & Logistik in Russland
Das Warenlager und Logistikzentrum, das sozusagen im Speckgürtel Moskaus, 150 Kilometer vorgelagert liegt, ermöglicht eine flexible Lagerhaltung unter Bedingungen, die sehr viel kostengünstiger als im heimischen Hamburg sind.
Josef Teeken führt für die Otto Group die Geschäfte in Russland. Unter seiner Leitung wird das Warenlager in Twer weiter ausgebaut. In Zukunft möchte man dort die Kapazität verdoppeln. Mittelfristig geht man von einem Umsatz aus, der bei einer Milliarde Euro liegen könnte und das müsse auch die Lagerhaltung und Logistik bewältigen.
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Versandhandel in Russland
Die Russen lernen den Versandhandel gerade erst kennen. Ottos Wachstumserwartungen sind bei Weitem nicht aus der Luft gegriffen, sondern beruhen darauf, dass in Zukunft nicht nur mit steigenden Einkommen zu rechnen ist, Russland zählt auch zu den Schwellenländern mit den größten Energievorkommen. Der Versandhandel ist derzeit auf einem noch unterentwickelten Niveau.
Während in den westlichen Industrieländern bereits der Versandhandel an die 8 Prozent des Gesamtumsatzes des Einzelhandels beträgt, sind es in Russland circa 2,5 Prozent. Dieser noch niedrige Anteil des Versandhandels, in Verbindung mit der prognostizierten Einkommensentwicklung und der resultierenden Kaufkraftsteigerung, lassen diese Gewinnerwartungen in realistische Nähe rücken. Otto setzt auf das Pferd Russland!
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Die ersten Schritte der Otto Group Russia
Auch ein Unternehmen in der Größenordnung wie Otto, musste auf dem russischen Markt erst einmal Fuß fassen und das geht besser, wenn man sich mit einem starken, einheimischen Partner zusammen tut. Ein solcher Partner, der auch über die nötige Marktpräsenz verfügte, fand man in der in Moskau ansässigen Firma Direct Group.
2006 gründete die Hamburger Otto Group zusammen mit der Moskauer Direct Group eine neue Firma – das Unternehmen Direct Catalogue Service war geboren. Die Grundsteinlegung für das Warenlager in Twer erfolgte 2008. Vom russischen Geschäftspartner Direct Group erwarb man im gleichen Jahr die Marken NaDom, Health & Beauty und Meggy Mail, sowie auch Promo Post, einem Logistikbetrieb.
Die Marke Quelle ist Gold wert
Quelle darf in Russland weiterleben, neben Otto, ganz so wie in alten Zeiten. Otto hat den einstigen Konkurrenten Quelle übernommen und die gesamten Rechte an der Marke Quelle, sowie auch das Russlandgeschäft, das immer Gewinne eingefahren hat. Quelle darf also als Versandhändler in Russland weiterbestehen, neben Otto.
Das erinnert unweigerlich an die Wirtschaftswunderjahre in Deutschland, bis in die späten 90-iger Jahre, wo Quelle und Otto gleichberechtigte Marktteilnehmer waren und neben wenigen anderen Versandhäusern den Versandhandel unter sich aufteilten.
Mit der Insolvenz des Fürther Traditionsunternehmen war kein geeigneter Investor bereit Quelle als gesamtes Unternehmen zu übernehmen. Bei der Verwertung der Markenrechte an Quelle und der erfolgreichen Eigenmarke Privileg, machte die Otto Group das beste Angebot. Ebenso übernahm Otto das Russlandgeschäft.
Heute laufen die Geschäfte von Otto und Quelle parallel nebeneinander. Große Einsparpotentiale ergeben sich alleine daraus, dass das Sortiment beider Marken sich überschneiden und Einkauf und Lagerhaltung zentral sind.
So wie es scheint, hat Otto in Russland alles richtig gemacht. Aber im gesamten Online- und Versandhandel ist viel Bewegung. Schon jetzt sprießen junge Start-Up-Unternehmen in Russland aus dem Boden, die im Onlinehandel kräftig mitmischen wollen.
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